Stickereien
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Diese gequilteten und bestickten Abdeckungen und Schals sind eine hoch entwickelte Form der Volkskunst im historischen Bengalen, das sich auf die heutigen Gebiete von Bangladesch erstreckte.
Kanthas sind meist weiß und zum Großteil mit feinen farbigen Linien und kleinen Flächen bestickt. Man findet figürliche, erzählerische, aber auch abstrakte Motive.
Zusätzlich zur Stickerei sind Kanthas in den Zwischenräumen der Stickerei oft gequiltet. Die Technik des Quiltens, des Durchsteppens durch mehrere Stofflagen, findet man immer in Gebieten mit kühlen Wintern. Mehrere Lagen alter weißer Saris und Dotis werden übereinandergeschichtet und zusammengeheftet. Die Verwendung von Altkleidung hat in Indien einen religiösen Hintergrund. Lumpen sollen vor dem bösen Blick schützen. Neben diesem magischen Aspekt ist auch ein praktischer von Bedeutung. Die abgetragenen Saris sind durch das häufige Waschen außergewöhnlich weich und wärmend.
Sie wurden ursprünglich nur innerhalb der Familie gefertigt und benutzt und waren auch ein Teil der Mitgift. Kanthas zeigen regionale Unterschiede in der Musterung. Am häufigsten wurden Kanthas als Abdeckungen oder Hüllen für unterschiedliche Gegenstände gefertigt.
Ursprünglich wurde das Stickgarn, das traditionell weiß, rot und indigoblau war, ebenfalls aus Altkleidern gewonnen, in dem man Fäden aus alten Sari-Bordüren herauszog und wiederverwertete. Die Dominanz dieser Farben dürfte sich aber nicht nur durch das Recyceln alter Stücke entwickelt haben, denn sie besitzen auch tiefe symbolische Bedeutung.
Die Kanthas sind mit verschiedenen Zierstichen geschmückt, die dünnen Linien meist mit dem Rückstich oder Stielstich. Flächen sind häufig mit Spannstichen, Sternchenstichen oder Vorstichen ausgefüllt. Seltener findet man auch den Knopflochstich und den Kreuzstich. Die Art der Stickerei und auch manche Motive zeigen nordindische oder auch europäische Einflüsse. Neben diesen ornamentalen Mustern gibt es eine große Vielfalt an „handgezeichneten“ Motiven. Man findet Szenen des häuslichen Lebens, Tiere, Menschen und auch Innovationen wie etwa Eisenbahnen und Ähnliches. Das Zentrum der Kanthas bildet häufig eine Lotusblüte.
Die Sticktechnik Phulkari heißt in Punjab „Blumen-Werk“ oder „Blumen-Garten“ und war ursprünglich die Bezeichnung für alle Arten von großen bestickten Kopftüchern. Diese traditionell von Frauen hergestellten Stickereien stammen aus dem Norden Indiens, vor allem aus dem Punjab.
Phulkaris werden mit ungezwirnten Seidenfäden meist auf handgewebtem bräunlich rotem Baumwollstoff, genannt Khadar, mit Spannstichen aufgestickt. Diese tiefrote Farbe der Tücher hat auch symbolische Bedeutung. Da die Baumwollgewebe auf kleinen Webgeräten angefertigt werden, die nur 45 bis 60 cm schmale Stoffbahnen ermöglichen, werden für die Herstellung eines Phulkaris drei bis vier Stoffstreifen zusammengesetzt. Die gefachte, also ungezwirnte Seide (Pat)wird aus Afghanistan, Kaschmir und Bengalen importiert. Da die Seide sehr teuer ist, verwendet man den Spannstich, da bei dieser Sticktechnik der Faden nur auf der Schauseite aufliegt und kein Material verschwendet wird. Diese spezielle Technik kennt man seit dem 15. Jahrhundert. Es wird vermutet, dass sie mit nomadisierenden Stämmen Zentralasiens nach Indien gelangte.
Die Gestaltung der Phulkaris ist regional unterschiedlich und wird auch maßgeblich von der vorherrschenden Religion beeinflusst. Die geometrischen Muster der Moslemfamilien werden traditionell von den Müttern an die Töchter weitergegeben, jede Familie hat dabei ihre eigenen bevorzugten Motive. Diese werden zum Teil nach dem Gedächtnis gestickt oder man orientiert sich an älteren Exponaten. Entweder werden die Konturen der Ornamente vor dem Sticken mit einer Nadel in den Stoff geritzt oder es erfolgt eine „Vorzeichnung“ mit einfachem Heftstich.
Die Arbeit an den Phulkaris wird schon mit der Geburt eines Mädchens von der Großmutter begonnen, eingeleitet von Ritualen und Gebeten. In hinduistischen Regionen stickt man auch figurale Motive und ganze Alltagsszenen. Diese Tücher, die vor allem im östlichen Punjab von Hindufamilien hergestellt werden, bezeichnet man als Sainchi.
Der Name „Rabari“ bedeutet „ohne Heimat“ und weist auf das Nomadentum dieses Volkstamms hin. Es gibt eine Legende, die einerseits vom ursprünglichen Heimatland der Rabari erzählt, und andererseits auch auf die spezifische Farbsymbolik der Kleidung der Rabari-Frauen Bezug nimmt: „Der Überlieferung entsprechend lebten ihre Vorfahren als Kamelhirten im Gebiet von Marwar in Rajasthan. Als einer der moslemischen Könige ein Rabari-Mädchen für sich gewinnen wollte, verweigerte sich der Stamm diesem Ansinnen und floh nach Sindh in den Schutz eines anderen Herrschers. Als dieser im Kampf getötet wurde, mussten die Rabari sich erneut in Sicherheit bringen und zogen durch Kachchh. Ihre Frauen aber trugen schwarze Kleidung als Zeichen der Trauer über die tödliche Auseinandersetzung.“
Bis heute sind die in der Grundfarbe schwarzen Woll-Schleier ein Charakteristikum der Kachchhi-Rabari-Kleidung. Die heutigen Rabari sind meist Schaf- und Ziegenhirten, leben vom Verkauf der Milch und verspinnen die Wolle der Tiere, welche anschließend von professionellen Webern verarbeitet wird. Wie bei vielen anderen Volksgruppen spielt die Stickerei vor allem für die Mitgift eine wichtige Rolle, wobei die Mütter bei der Geburt einer Tochter mit der Anfertigung der Brautausstattung beginnen. Bis heute ist das Sticken ein zentraler Aspekt im Leben der Rabari-Frauen, was sich in den aufwendigen Dekorationen der Kleidung zeigt. Wegen der nomadischen Lebensform der Rabari weisen ihre Stickereien unterschiedliche Kultureinflüsse auf.
Die vorherrschende Sticktechnik Pakka ist der Leiterstich, eine Variante des Kettstichs, der breite strickleiterartige Spuren bildet, die auch sehr gut geschwungen gearbeitet werden können. Das Wort bedeutet „rein“ und wird als Begriff für kompakte Stickereien aus Leiterstichen und doppelten Knopflochstichen verwendet.
Ein Kennzeichen der Rabari-Stickerei sind Motive, die von kurzen parallelen Linien begleitet werden. Häufig sind diese Stickereien mit Spiegelstickerei, Shishadur, kombiniert.
Das Volk der Akha zählt zu einem der vielen Bergvölker der hinterindischen Halbinsel. Die Dörfer der Akha befinden sich hauptsächlich in den dschungelbedeckten Bergen, den Ausläufern des Himalayas. Ihre ursprüngliche Heimat dürfte aber Tibet gewesen sein. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts zogen einige Akha weiter gegen Süden, nach Burma und Laos. Die heute in Thailand lebenden Akha überschritten die burmesische Grenze erst im 20. Jahrhundert. Die Akha wurden schon in der Vergangenheit wiederholt von dominanteren Volksgruppen gezwungen, sich weiter ins Gebirge zurückzuziehen. Ihre Isolation beruht einerseits auf der von ihnen bevorzugten traditionellen Lebensweise, andererseits ist es für die Kinder der Akha kaum bis gar nicht möglich die Schule zu besuchen und dadurch Anschluss an die thailändische Gesellschaft zu finden.
Ihre Selbstachtung und ihr Selbstverständnis leiten die Akha daher vornehmlich von der Ausbildung ihrer Geschicklichkeit und handwerklichen Fertigkeiten ab. Dabei stellt die Bekleidung auch bei den Akha einen wesentlichen Teil der Stammesidentität dar und gibt auch Auskünfte über den sozialen Rang innerhalb des Clans. Das Grundmaterial für die Bekleidung ist handgesponnene Baumwolle, die in langen Färbeprozessen immer wieder mit Indigo gefärbt wird, bis die typische tiefschwarze Farbe der Akha-Tracht erreicht ist. Bei den Frauen stellt der reich mit Silber und Perlen bestickte Kopfschmuck das wichtigste Identitätsmerkmal dar, bei den Männern ist es häufig die ebenso reich verzierte Schultertasche. Die Gestaltung dieser Kleidungsstücke beruht vor allem auf der Applikation von Silber und feinen Stickereien, die häufig im Kreuz- oder Plattstich gefertigt werden. Das Silber wird in Form von Schmuck getragen. Kopfschmuck, Jacke, Gürtel und Tasche sind je nach Besitzeslage mehr oder weniger mit Silber in Form von Münzen und Plättchen behangen. Die Stickereien erhalten viel Aufmerksamkeit, wenn sie innerhalb der traditionellen Gestaltungsregeln besonders handfertig oder fantasievoll umgesetzt wurden. Indirekt zeichnet die Stickerei die Frau nicht nur als geschickt und fleißig aus, sondern zeigt auch, wieviel Zeit die Frau sich leisten kann, dafür zu verwenden. Die Motive sind in ihrer Bedeutung noch weitgehend unerforscht.
Wollflockentechnik
Die meisten Nomadenteppiche sind jedoch in Wollflockentechnik gestaltet, bei der ein Muster aus farbigen Vliessträngen und Büscheln auf die Matte aufgelegt wird.
Durch diese Vorgangsweise erscheint das Muster scharf begrenzt und klar auf der Vorderseite. Zuerst wird ein großes grafisches Element gelegt, z.B. Widderhornmotive, ein großes anderes Symbol. Danach werden die Zwischenräume mit andersfarbigen Vliesbüscheln/Wollflocken dicht ausgelegt, sodass das gewünschte Muster bereits erkennbar ist. Das Ganze liegt ganz lose auf einer Grundfläche und fügt sich erst beim Filzprozess dicht zusammen. Obwohl die Nomaden diese Arbeit sehr sorgfältig durchführen, verschiebt sich beim Einrollen des Vlieses das Muster ein wenig und noch einmal beim Reibe- und Rollvorgang. Daher zeigen diese Art von Filzteppichen ein charakteristisches, wie verschwommen und verzerrt wirkendes Muster.
Die Sammlung umfasst eine Reihe von Schals aus Kashmir, die hinsichtlich der Herstellungstechnik, der Farbgebung und des Alters beträchtliche Unterschiede aufweisen. Man findet hier traditionell in Bobinetweberei hergestellte Schals, solche bei denen sich Stickerei und Gewebe zu einem Muster ergänzen und auch einige bei denen die Stickerei die traditionellen Webmuster ersetzt hat.
Die älteste Form des Kashmirtuchs weist keinerlei Stickereien auf, sondern die farbigen Muster wurden ursprünglich in Bobinetweberei gefertigt. Die Webtechnik der Kaschmirschals ähnelt der, die für die Herstellung von Gobelins üblich ist: Das Muster wird aus einzelnen Fäden von nterschiedlicher Farbe gewonnen; mit Hilfe der Webspule, um die die Farbfäden gerollt sind, werden sie zwischen die Kettfäden gezogen.Von der Wirkerei unterscheiden die Schals sich jedoch durch die Art ihrer Bindung: Man webt sie in Köperbindung 2/2. Der Stoff wird von der Rückseite gewebt, die farbigen Schussfäden hängt man aneinander. Dadurch entsteht an den Farbgrenzen eine leichte zweifarbige Erhöhung, die auf der Vorderseite nicht sichtbar ist.Ihren Ruhm haben die Schals aus Kashmir den außerordentlich feinen Musterungen, aber auch ihrem einzigartig weichen Material zu verdanken: Das Material wird meist aus der feinen Unterwolle der changra Ziege gewonnen, welche die Tiere vor der extremen Kälte der Gebirgsregionen schützt. Die feine Unterwolle wird anschließend von den Frauen in Kashmir mit der Hand gesponnen.Der Ursprung des exklusiven Kunsthandwerks der Region Kashmir ist nicht bekannt, aber die ersten Hinweise auf diese Tücher gehen auf die Literatur der Regierungszeit des Herrschers Akbar zwischen 1556 und 1605 zurück, da dieser selbst eine große Sammlung von Kashmirschals besaß. Auch die indischen Miniaturen dieser Zeit zeigen feine, handgewebte Schals. Diese Tücher erfreuten sich ab der zweiten Hälfte des 18. Jh. in Europa, und hier besonders in Frankreich, großer Beliebtheit.Man trug die leichten Tücher über der Schulter drapiert oder verarbeitete sie zu eleganten Kleidern im Empire-Stil. Im 19. Jh wurden die Schals dann größer und dicker. Doch unterschiedliche Ursachen führten zum Niedergang dieser herausragenden Webtechnik: Für den ersten Einsatz von Stickerei auf Kashmirschals gibt es keine verlässlichen Quellen, die weiter zurückreichen als zum Beginn des 19. Jahrhunderts. Der Amli-Schal verdankt seine Einfühhrung wahrscheinlich dem Einfallsreichtum des armenischen Händlers Khwaja Yusuf, der wusste, dass bestickte Waren nicht besteuert wurden und so dem textilen Gewerbe in Kashmir wieder zu neuem Aufschwung verhalf. Meist geht man davon aus, dass die Stickereien nur Imitationen der sehr zeit- und arbeitsintensiven Webtechnik waren, sie weisen aber sowohl ästhetisch als auch handwerklich eine sehr hohe Qualität auf. Ursprünglich diente die Stickerei vermutlich zur Reparatur beschädigter Tücher: Im Unterschied zu den meisten anderen Stickereien Indiens werden Kashmirschals von Männern hergestellt und waren immer nur für kommerzielle Zwecke bestimmt.Der Markt für bestickte Pashminas ist heute wieder sehr groß, allerdings gibt es immense Qualitäts unterschiede bei Material und Stickerei. Für billigere Schals wird gröbere Schafwolle verwendet, teilweise importiert aus Australien. Doch auch das traditionelle Kunsthandwerk wird heute wieder gepflegt, da man den immensen Wert dieser handbestickten Tücher zu erkennen begann. Ironischer Weise trugen gerade die schleppende wirtschaftliche Entwicklung und die fehlenden Investitionen in dieser Region zum Erhalt der handwerklichen Berufe bei. Obwohl die Mehrzahl der Sticker immer noch männlich ist, beginnen auch diese Traditionen langsam aufzubrechen und immer mehr Mädchen wird es ermöglicht, diese Kunst und nichts anderes ist die Stickerei in Kashmir, zu erlernen. Die allerfeinste Form der Stickerei aber, die „kanikar“ genannt wird, wird bis heute ausschließlich von Männern ausgeführt, da man Mädchen nicht die mentale Stärke zutraut.